Hintergrund

Lange Zeit entstanden Ideen, Lösungen und Produkte im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) hinter verschlossenen Türen, was nicht selten zu schlecht nutzbaren oder gar nutzlosen Lösungen und Produkten für Endnutzer führte. Man kann die Entwicklung von IKT unserer Auffassung nach verbessern, wenn man die Nutzer und ihre Alltagswelt bereits frühzeitig und aktiv in die jeweiligen Entwicklungs- und Gestaltungsprozesse einbezieht. Living Labs schaffen hierfür offene und zugleich integrative Umgebungen, in denen die Entwicklung nutzerfreundlicher und bedarfsgerechter Lösungen gefördert wird. Die erzielten Ergebnisse können zudem kontinuierlich im Anwendungsfeld erprobt und in zirkulären Entwicklungs- und Designprozessen verbessert werden.

„Living Labs represent a user-centric research methodology for sensing,
prototyping, validating and refining complex solutions in multiple and evolving real life contexts.“

(Eriksson, Niitamo & Kulkki. 2005)

Der Living Lab Ansatz bietet Vorteile für unterschiedliche Akteursgruppen:

 

Nutzer und Anwenderorganisationen

 

 

können aktiv ihre eigenen Erfahrungen, Ideen und Wünsche in den Entwicklungsprozess zukünftiger Lösungen und Produkte einbringen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind eingeladen, moderne und zukunftsweisende Technologien frühzeitig in Form prototypischer Lösungen in ihrem Alltag zu testen, um sie so tatsächlichen Anforderungen auszusetzen. Mit Hilfe dieser Erfahrungen rückt Technikentwicklung näher an die Lebenswelten der zukünftigen Nutzergruppen und kann dadurch besser an ihre Bedürfnisse angepasst werden.

Wissenschaftler, Forscher und
öffentliche Institutionen

 

 

erhalten die Möglichkeit mit Endnutzern zu kooperieren und dadurch wertvolle Einblicke in reale Lebenswelten zu erhalten. Bedarfe für IKT-Gestaltung können vor dem Hintergrund konkreter Alltagspraxis besser verstanden und in den Entwicklungsprozess eingebettet werden. Darüber hinaus ermöglicht die Universität Siegen den Kontakt und die Kooperation mit Industrieunternehmen, so dass alle relevanten Stakeholder zusammen gebracht werden können, um bedarfsgerechte Lösungen zu entwickeln.

 

Industrieunternehmen

 
 

 

profitieren von der Nähe zum (End-)Kunden und können dadurch sowohl in sehr frühen Stadien der Entwicklung, als auch zur Evaluation und Weiterentwicklung von bereits bestehenden Lösungen und Produkten schnell Probleme oder Bedarfe in der realweltlichen Nutzung ihrer Zielgruppe ausfindig machen. Gemeinsam mit den Nutzern können dadurch neue Ideen sowie nutzergerechte Lösungen für ein besseres Passungsverhältnis entwickelt werden. Überdies hinaus besteht auch die Möglichkeit interne Unternehmenspraktiken unter Beteiligung von Arbeitnehmern zu verbessern.